Teil eines Werkes 
9.-12. Bdchn (1855)
Entstehung
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blickte ſie die Silhouette der Gärtnerin, die einen Brief in der Hand hielt.

Mademoiſelle, ſagte Nanette,es iſt ein Brief von Herrn Camille.

Carmelite ſtieß einen ſcharfen Schrei aus und fuhr

mit der Hand nach ihrem Herzen.

Colombau warf ſeinen erbleichenden Kopf zurück.

Die Gärtnerin, da ſie ſah, daß ihr weder das eine, noch das andere von den jungen Leuten antwortete, legte den Brief auf den Schooß von Carmelite.

Carmelite kam zuerſt zu ſich; ſie war, wenn nicht die Stärkere, doch wenigſtens die Eniſchloſſenere.

Alle Initiativen kamen von ihr.

Sie ſeufzte, ſchüttelte den Kopf, entſiegelte den Brief und las ihn: dann, ohne ein anderes Wort auszuſprechen als:Leſen Sie! reichte ſie, die Augen auf das Geſicht des jungen Mannes geheftet, den Brief Colombau.

Man hätte glauben ſollen, Colombau könne nicht mehr erbleichen, und dennoch hatte ſeine Bläſſe zuge⸗ nommen.

Ein erſtes Mal las er leiſe,

folgende Zeilen: Liebe Carmelite,

Endlich habe ich die Einwilligung meines Vaters,

meiner Tanten und meiner ganzen Familie erhalten, und

am 7. des nächſten Monats werde ich in Paris ſein. Camille.

ein zweites Mal laut

Nie war ein Gerichteter, der ſelbſt ſein Todesurtheil las, ſo entſtellt und ſo zitternd, als der Bretagner, da er zum zweiten Male laut den Brief ſeines Freundes las.

Mit dem Ellbogen auf die Rücklehne des Canapé geſtützt, ſchaute ihn Carmelite tief, glühend, erwartend⸗

daß er die Angen aufſchlage, an⸗