Teil eines Werkes 
9.-12. Bdchn (1855)
Entstehung
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Von dieſem Angenblicke an quartierte ſich das Glück, welches in das Haus nur noch, ſo zu ſagen, aus Verſehen und wie ein Fremder fam, der ſich verirrt und, da er weiß, daß er ſich in der Thüre täuſcht, im⸗ mer einen Fuß aufgehoben und zum Fliehen bereit hält, von dieſem Angenblicke an quartierte ſich das Glück kühn bald im Zimmer von Carmelite, bald im Pavillon von Colombeau, bald zugleich im Pavillon und im Zim⸗ mer ein. Und dieſes doppelte Glück kam doch nicht aus der⸗ ſelben Quelle und offenbarte ſich nicht auf dieſelbe Weiſe⸗

Colombau gewährte es einen unausſprechlichen Reiz⸗ das Mädchen ſtillſchweigend⸗ innerlich, einſam, für ſich zu lieben; er hatte für ſie ein wenig von jener leidenſchaft⸗ lichen Pietät der alten Chriſten für ihr Marienbild; eine Zuneigung, an der viel mehr die Ehrfurcht und das Be⸗ dürfniß, anzubeten, als die Liebe und das Verlangen, zu beſitzen, Theil hatten, oder an der zugleich Liebe und

Anbetung Theil hatten.

Sein ganzes Glück beſtand darin, daß er ſich in

ſein Zimmer einſchloß, denn vor ihr zitterte er; ſich

mit der Hand auf den Augen ſammelte, ſich von der

ganzen Welt abſonderte, und von den Höhen ſeiner Sammlung, wie vom Gipfel eines Berges herab, unter ſeinen Augen, wie mit Blumen bunt geſprenkelte Wieſen, wie Ebenen mit reichen Ernten, tauſend unausſprechliche Glückſeligkeiten ſich entrollen ſah.

Doch mitten unter dieſer Frende, unter dieſem Glücke, unter dieſer Anbetung hatte der Schmerz, wir möchten beinahe ſagen, der Gewiſſensbiß ſeinen Zehnten; zwanzig⸗ mal weckte das Gewiſſen von Colombau dieſen durch einen

ſcharfen Schmerz im Herzen auf: das war der Biß des inneren Vorwurfs.

Der klagende Schatten des verrathenen Cammille trat aus der Abweſenheit hervor, wie ein Geſpenſt aus dem Grabe hervortritt, und richtete ſich vor ſeinem Bette

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