Teil eines Werkes 
9.-12. Bdchn (1855)
Entstehung
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LIV. Die aſymptotiſchen Seelen.

Carmelite brachte eine glückliche Nacht zu, eine Nacht, die ſich nur mit jener Frühlingsnacht vergleichen ließ, wo ſie mit Colomban ihren ſchönen Roſenſtock, deſſen Wurzeln zwiſchen den Steinen einer Grabſtätte gewachſen waren, ausgehoben hatte.

Er liebte ſie alſo.

Dieſes ernſte, ſtarre Weſen, deſſen Geſicht allein dem Mädchen ſo viel Furcht einflößte, hatte die zarten Frömmigkeiten und die kindlichen Schwächen der Liebe! Nur, hierin von den anderen Menſchen verſchie⸗ den, hatte es die Scham ſeiner Zärtlichkeiten und bewahrte in ſich ihr unausſprechliches Geheimniß.

Dieſe Offenbarung der Liebe des Bretagners er⸗ quickte das Herz von Carmelite, wie ein reichlicher Re⸗ gen eine vertrocknete Flur erquickt, und ſchon am andern Tage ſah Colomban, ohne die Urſache dieſer Wieder⸗ geburt zu kennen, die alte Heiterkeit von Carmelite wie⸗ der grünen.

Ihre Stunden waren fortan ausgefüllt; ſo ſehr ausgefüllt, daß ihr die Tage zu kurz und die Nächte zu lang ſchienen.

Ihr Leben ging nicht auf den Zufall hin: es hatte nun einen Zweck.

Die Mohicaner von Paris. IM. 1