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Hätte, wenn ſie ihn verſtohlen anſchaute und mit den Augen verſchlang, Colombau einen von ihren Blicken wahrgenommen, dieſer Blick, ſo einfach und beſcheiden der Bretagner war, würde ihn von Allem unterrichtet haben.
Und dennoch hatte der Zwang, den ſie einander gegenüber empfanden, für Beide Augenblicke von unaus⸗ ſprechlicher Süßigkeit.
Wenn Colombau las,— meiſtens eine Ode von Hugo, ein Gedicht von Lamartine,— da neigte ſich Carmelite, die ihn anſchaute und ihm zuhörte, ſie ſtreckte ſich, ſie legte ſich beinahe auf ihr Canapé, den jungen Mann mit den Augen bedeckend und einer jungen Löwin ähulich, bereit, ſich mit einem Sprunge auf den falben Löwen, den Gegenſtand ihrer mächtigen Liebesgluth, zu ſtürzen.
Sang Carmelite entweder das Pria che spunti Laurora des neapolitaniſchen Maeſtro, oder das hitzige Fieber von Grétry, ſo hörte Colombau auf zu ath⸗ men; er lauſchte wie in Ertaſe und ſchante, ſo zu ſagen, zu, wie jede der funkelnden Noten aufſtieg, jenen Rake⸗ ten ähnlich, welche, auf der Erde erſchloſſen, am Himmel aufblühen, glänzen und erlöſchen. Er, mit ſeiner ſchüch⸗ ternen, ehrfurchtsvollen Liebe, ſchien die Frau zu ſein, und er hätte ſein Leben gegeben, nicht einmal um die Lippen von Carmelite zu küſſen, ſondern um nur den göttlichen Hauch, die himmliſche Harmonie, welche daraus hervorkam, einzuathmen.
Sie nahmen Abſchied von einander um Mitternacht oder um ein Uhr Morgens; Colombau kehrte dann in
ſeinen Pavillon zurückz hinter ihm ſchloß Carmelite ihre Thüre, oder ſie gab ſich den Anſchein, als ſchlöße ſie dieſelbe; dann, wenn ſich kaum das Geräuſch der Tritte auf den letzten Stufen der Treppe verloren hatte, offnete ſie die Thüre wieder, lief ans Fenſter des Flurgangs, ſchaute dem jungen Manne nach, wie er den Garten
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