Teil eines Werkes 
5.-8. Bdchn (1855)
Entstehung
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Meiſterſtück der Liebesleidenſchaft, und der gute Colombau reichte ihn Carmelite und ſprach, die Augen voll Thrä⸗ nen, zu ihr:

Sie ſehen, Carmelite, daß ich mich nicht getäuſcht hatte.

Doch für Carmelite war es nicht daſſelbe; ſie be⸗ freite alle leidenſchaftliche Ausdrücke des Briefes von den durch das Fieber erregten Hinreißungen, und ſie weigerte ſich, in dieſem Schreiben etwas Anderes zu ſehen, als jenes Sonnengeſpenſt mit den lebhaften Far⸗ ben, den ephemeren Sohn des Sturmes, der mit ihm verſchwindet. Ueberdies handelte es ſich nicht mehr darum, den Grad der Liebe, welche Camille für ſie haben konnte, kennen zu lernen; ſollte er in das lange Fieber zurück⸗ fallen, aus dem er hervortrat, Carmelite hätte keinen Schritt gethan, um ihn zu retten; ſie hätte vielleicht nicht die Kaltblütigkeit des Henkers gehabt, doch ſie hatte den Muth des Richters, und ſie ſprach in ihrem Innern unwiderruflich das Urtheil.

Die größte Freude für Carmelite wäre es geweſen, keine Briefe vom Creolen mehr zu empfangen, nichts mehr von ihm zu hören, ihn bis auf den Namen zu vergeſſen.

Sie liebte Colombau mit der ganzen Macht ihres Herzens, mit der ganzen Stärke ihres Kummers, mit der ganzen Größe ihrer Gewiſſensbiſſe. Wenn ſie ihn zu⸗ gleich ſo traurig und ſo ſtolz auf die Redlichkeit ſeines Freundes ſah, ſo fühlte ſie ein faſt unwiderſtehliches Ver⸗ langen, Colombau um den Hals zu fallen und ihm ihre Liebe zu geſtehen; doch die ſtrenge Stirne des jungen Manues hielt ſie ab und nöthigte ſie, in ſich ſelbſt zu⸗ rückzukehren.

Dieſe Liebe, die ſich ihrer jeden Tag mehr bemäch⸗ tigte, war nicht Liebe; es war etwas Beſſeres: es war die Anbetung, die ein höheres, faſt göttliches Weſen

einflößt.