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gewiſſe Augenblicke gibt, wo man ſich offenbart, gewiſſe Stunden, wo man ſich verräth; das Sichgehenlaſſen, das eine nothwendige Folge des vertranten Verkehrs iſt, zwingt uns, die Maske abzulegen: ſo habe ich den wah⸗ ren Charakter von Camille ergründet... Ich will ihn nicht in ſeiner Abweſenheit und in Ihrer Gegenwart ſchmähen; doch für mich geht aus dieſer Kenntniß, die ich erlangt habe, eine Kälte hervor, die ſich zuerſt in Widerwillen und dann allmälig in Verachtung verwan⸗ delt hat. Camille mag mich auf eine gewiſſe Art lie⸗ ben, ich beſtreite es nicht; doch er hat für mich ein we⸗ nig von jener furchtſamen Liebe des ſchlimmen Schülers für ſeinen Lehrer; ich beherrſche ihn mehr, als ich ihn rühre, und ſeine Eitelkeit iſt mehr befriedigt, mich zu beſitzen, als ſeine Liebe darüber glücklich iſt. Ich leugne nicht, daß er in dem Angenblicke, wo er mich verließ, bei der Erſchütterung der Abreiſe die Abſicht gehabt hat, wiederzukommen? gewöhnt an die leichte Liebe gewiſſer Frauen, war er erſtaunt, ſogar insgeheim darüber auf⸗ gebracht, in mir ein Hinderniß aller Tage, einen Wider⸗ ſtand aller Augenblicke zu treffen; er hat mich überrum⸗ pelt, aber nicht beſeſſen, und dieſer Kampf, den er zwei⸗ tauſend Meilen von uns beſteht, erhält ihn im Grunde immer im Athem; glauben Sie aber mir, mein Freund, ich bin für Camille nur der Preis eines Sieges und nicht das Ziel einer ernſtlichen Zuneigung.
Colombau ſchaute das Mädchen mit einer tiefen Traurigkeit an.
„Carmelite,“ ſagte er,„Sie lieben Camille nicht mehr?“ „Ich habe ihn nie geliebt!“ antwortete ſie ſtolz, als ob dieſe paar Worte ſie hätten rechtfertigen müſſen. „Oh! ſagen Sie das nicht!“ ſprach mit Sanftmuth Colombau.
„Vor Gott,“ erwiederte Carmelite feierlich,„vor


