„Meine Mutter! meine Mutter!“ rief er,„ei! ſeht doch meine Mutter!“
Man ſtürzte ſich auf die Blinde; Juſtin fiel vor ihr auf die Kniee und nmſchlang ſie mit ſeinen Armen.
Ihr Geſicht war wachsfarbig geworden; ihre Hände waren kalt wie Marmor; ihre Lippen bläulich.
Die Letztgeborenen der Hoffnungen ihres Alters waren geſtorben.
Das Erſchreckliche bei Allem dem war, daß man die Schuld nicht auf irgend Jemand werfen, nicht gegen irgend Jemand Anklage erheben konnte.
Jedermann hatte eine gute Abſicht gehabt, ſelbſt der arme Pfarrer der Bouille.
Das war Verhängniß, nichts Anderes.
Man lief zum Apotheker, der Salze gab.
Nittelſt der Salze und des Eſſigs kam Madame Corby wieder zu ſich.
Das Erſte, nicht was ſie ſah⸗ die arme Blinde! ſondern was ſie fühlte, war ihr Sohn, der ſie tröſtete, er, der des Tröſtens ſelbſt ſo ſehr bedurfte.
Doch der gute Juſtin bemerkte ſeinen Schmerz nicht, wenn Jemand in ſeiner Nähe litt, und beſonders, wenn dieſer Jemand ſeine Mutter war.
Er blieb alſo bei Madame Corby, nicht nur bis ſie wieder zu ſich gekommen war, ſondern ſogar bis ſie ſich zu Bette gelegt hatte.
Dann aber, da ſie begriff, daß es für ihren Sohn Bedürfniß war, ſelbſt zu weinen, und wohl fühlte, er wage es nicht, in ihrer Gegenwart zu weinen, aus Furcht, ſie in Verzweiflung zu bringen, verlangte ſie von ihm, daß er ſich in ſein Zimmer zurückziehe.
Juſtin ging in ſein Stübchen hinab; Alles, was er vom erſten Stocke mitnahm, war der Orangenblüthen⸗ kranz, den Mina, als ſie ihn verlaſſen, von ihrem Kopfe geriſſen und ihm zugeworfen hatte.
Der gute Profeſſor ging mit Inſtin hinab.


