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„Seyd unbeſorgt.“
„Folgt mir durch dieſen geheimen Gang, ich führe Euch bis zu der Schlupfpforte. Dann, um Euch Zeit zu gönnen, gehe ich zu der Königin und melde ihr, Ihr ſteiget eben hinab. Man wird glauben, Ihr habet dieſen geheimen Gang entdeckt und denſelben zu Eurer Flucht benützt. Kommt, kommt!“ 3
Heinrich bückte ſich auf Karl hinab, küßte ihn auf die Stirne und ſprach:
„Gott befohlen, mein Bruder. Ich werde es nie vergeſſen, daß es Dein letzter Wunſch war, in mir Deinen Kachfolger zu ſehen; ich werde nie vergeſſen, daß es Dein letzter Wille war, mich zum König zu machen. Stirb im Frieden! Im Namen unſerer Brüder verzeihe ich Dir das vergoſſene Blut!“
„Geſchwinde, geſchwinde!“ ſagte René,„er kommt zu ſich; flieht, ehe er die Augen öffnet, flieht!“
„Amme,“ murmelte Karl,„Amme!“
Heinrich nahm von dem Kopfkiſſen von Karl das nun unnütze Schwert des ſterbenden Königs, ſteckte das Pergament, welches ihn zum Regenten machte, in ſeine Bruſt, küßte Karl zum letzten Male auf die Stirne, wandte ſich um das Bett und eilte durch die Oeffnung, die ſich wieder hinter ihm ſchloß.
„Amme!“ rief der König mit ſtärkerer Stimme.
Die gute Frau eilte herbei.
„Nun, was gibt es, mein Charlot?“ fragte ſie.
„Amme,“ ſprach der König, das Augenlid gesffnet und das Auge erweitert durch die furchtbare Starrheit des Todes,„es muß etwas vorgefallen ſeyn, während ich ſchlief: ich ſehe ein großes Licht; ich ſehe Gott, unſern Herrn; ich ſehe unſern Herrn Jeſus; ich ſehe die gebenedeite Jungfrau Maria. Sie beten, ſie flehen für mich: der Allmächtige verzeiht mir.... Er ruft mich! Mein Gott! mein Gott! nimm mich in Deine Barmherzigkeit auf!... Mein Gott! vergiß, daß ich
Königin Margot. III. 12


