Allzuviel Improviſation verdummt ſchnell den Geiſt. Bier, das rinnt, ſetzt kein Moos an. Meine Herren, keine Ueber⸗ ſtürzung. Miſchen wir die Majeſtät mit der Luſt; eſſen wir mit Sammlung, feſtiviren wir langſam. Wir brauchen uns nicht zu übereilen. Seht nur den Frühling; wenn er ſich beeilt, wird er verbrannt, das heißt verfroren. Das Uebermaß des Eifers verdirbt die Pfirſichen- und die Aprikoſenbäume. Das Uebermaß des Eifers tödtet die An⸗ muth und die Freude bei guten Mahlzeiten. Kein Eifer, meine Herren! Grimod de la Reynière iſt der Auſicht Talleyrand's“.
Eine dumpfe Rebellion grollte in der Menge.
„Tholomyès, laß uns zufrieden“, ſagte Blachevelle.
„Nieder mit dem Tyrannen!“ rief Fameuil.
„Bombarda, Bombance und Bamboche!“ ſchrie Liſtolier.
„Der Sonntag exiſtirt“, nahm Fameuil mieder das Wort.
„Wir ſind nüchtern“, fügte Liſtolier hinzu.
„Tholomyes“, ſagte Blachevelle,„betrachte meine Ruhe (mon calme*).“
„Du biſt der Marquis dazu,“ antwortete Tholomheès.
Dieſes ſehr mittelmäßige Wortſpiel macht die Wirkung eines Steines, der in den Sumpf geworfen wird. Der Marquis von Montcalme war ein damals berühmter Royaliſt. Alle Fröſche ſchwiegen.
„Freunde,“ rief Tholomyès mit dem Tone eines Menſchen, der die Herrſchaft wiedergewinnt, erholt Euch. Dieſes vom Himmel gefallene Wortſpiel muß nicht mit zu viel Erſtaunen aufgenommen werden. Alles was auf dieſe Weiſe einfällt, iſt nicht nothwendiger Weiſe des Enthuſias⸗ mus und der Achtung würdig. Das Wortſpiel iſt der Miſt des fliegenden Geiſtes. Der Spaß fällt irgend wo hin,
*) Unüberſetzbares Wortſpiel, welches indeß des Zuſammenhangs wegen nicht ausgelaſſen werden konnte.


