der im Vorzimmer wartete, auf dem Wege Sr. Majeſtät. Napoleon, der bemerkte, daß ihn der Greis mit einer ge⸗ wiſſen Neugier betrachtete, wendete ſich um und fragte barſch:
„Wer iſt der gute Mann, der mich ſo anſieht?“
„Sire,“ ſagte Herr Myriel,„Sie ſehen einen guten Mann an und ich betrachte einen großen Mann.“
Noch an demſelben Abend fragte der Kaiſer den Car⸗ dinal nach dem Namen dieſes Pfarrers und einige Zeit darauf wurde Herr Mhriel ſehr überraſcht, als er erfuhr, daß er zum Biſchof von D... ernannt worden ſei.
Was war übrigens Wahres an den Gerüchten, die man über den erſten Theil von dem Leben des Herrn Myriel ſich erzählte? Das wußte Niemand. Nur wenige Fami⸗ lien hatten vor der Revolution die Familie Myriel gekannt.
Herr Mhyriel ſollte von dem Looſe getroffen werden, welches jedem neuen Ankömmlinge in einer kleinen Stadt zu Theil wird, in der es manchen Mund giebt, der ſpricht, und nur wenige Köpfe, die denken. Aber Alles in Allem waren die Redereien, in welche man ſeinen Namen miſchte, doch eben nur Redereien: Gerüchte, Worte, Geſchwätz; weniger als Geſchwätz ſogar— Gewäſche, wie ein kräf⸗ tiger Volksausdruck ſagt.
Wie dem aber auch ſei, ſo waren doch nach neun Jahren des Bisthums und des Aufenthaltes in D... alle dieſe Klatſchereien die Gegenſtände der Unterhaltung, welche im erſten Augenblicke die kleinen Städte und die kleinen Leute beſchäftigten, in gänzliche Vergeſſenheit gerathen. Niemand hätte gewagt, davon zu ſprechen, Niemand hätte gewagt, ſich daran zu erinnern.
Als Herr Myriel nach D... kam, begleitete ihn eine alte Jungfer, Mademoiſelle Baptiſtine, welche ſeine Schweſter und zehn Jahr jünger war.
Ihre einzige Bedienung beſtand in einer Dienerin von gleichem Alter wie Fräulein Baptiſtine; ſie nannte ſich


