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Frau Magloire, und nachdem ſie die Magd des Herrn Pfarrers geweſen war, nahm ſie jetzt den doppelten Titel einer Kammerfrau des Fräuleins und einer Haushälterin des ehrwürdigen Herrn an.
Fräulein Baptiſtine war eine lange, blaſſe, magere und ſanfte Perſon; ſie verwirklichte das Ideal deſſen, was man mit„achtungswerth“ bezeichnet, denn es ſcheint, daß ein Frauenzimmer Mutter ſein muß, um„ehrwürdig“ ge⸗ nannt zu werden. Sie war nie hübſch geweſen; ihr ganzes Leben hatte aus einer Reihenfolge heiliger Werke beſtanden, welche zuletzt über ſie etwas Reines, Klares ergoſſen, und indem ſie alt wurde, hatte ſie das gewonnen, was man die Schönheit der Schule nennen könnte. Was in ihrer Jugend Magerkeit geweſen, war bei der Reife des Alters Durchſichtigkeit geworden, und dieſe Durchſichtigkeit ließ den Engel hervorſchimmern. Sie war noch mehr eine Seele, als eine reine Jungfrau. Ihre Perſon ſchien aus Schatten zu beſtehen; kaum hatte ſie genug Körper, um ihr ein Ge— ſchlecht beilegen zu können; ein wenig Materie, die einen Schimmer in ſich ſchloß; große beſtändig niedergeſchlagene Augen. Ein Vorwand für eine Seele, um noch auf Erden zu weilen.
Frau Magloire war eine kleine Alte, weiß, dick und fett, geſchäftig, beſtändig keuchend, zunächſt wegen ihrer Thätigkeit, dann aber auch wegen eines Aſthmas.
Bei ſeiner Ankunft führte man Herrn Mhriel in ſeinen biſchöflichen Palaſt mit all den Ehrenbezeugungen ein, welche die kaiſerlichen Dekrete vorſchrieben, die dem Biſchof ſeinen Rang unmittelbar hinter dem Generalmajor anweiſen. Der Maire und der Präſident machten ihm den erſten Beſuch und er ſeinerſeits ſtattete ſeine erſte Viſite dem General und dem Präfecten ab.
Als die Einführung beendigt war, erwartete die Stadt ihren Biſchof bei dem Werke zu ſehen.


