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Demzufolge ſchickte ſie gegen zehn Uhr Margarethe weg, feſt überzeugt, was übrigens auch der Wahrheit entſprach, die Königin von Navarra wüßte nichts von dem, was gegen ihren Gatten angeſponnen wurde, ging zu dem König und bat ihn, ſein Schlafengehen noch zu verzögern.
Neugierig gemacht durch die triumphirende Miene, die trotz ihrer gewöhnlichen Verſtellungsgabe das Geſiht ſeiner Mutter erleuchtete, befragte Karl die Königin Ca⸗ tharina, dieſe aber antwortete ihm mit den Worten:
„Ich kann Eurer Majeſtät nur ſagen, daß ſie dieſen Abend von ihren zwei granſamſten Feinden befreit wer⸗ den wird.“
Karl bewegte die Augbrauen auf die Art eines Menſchen, der zu ſich ſelbſt ſpricht:„es iſt gut, wir wer⸗ den ſehen,“ und pfiff in Erwartung der Dinge, die da kommen ſollten, ſeinem großen Windhunde, der ſich ſchlan⸗ genartig auf dem Bauche gegen ihn fortſchleppte und ſeinen geſcheiten Kopf auf den Schvoß ſeines Herrn legte. Nach einigen Minuten, die Catharina mit ſtarren Augen und geſpanntem Ohre zubrachte, hörte man einen Schuß im Hyfe des Louvre.
„Was bedeutet dieſer Lärm?“ fragte Karl, die Stirne faltend, während ſich der Hund die Ohren ſpitzend mit einer ungeſtümen Bewegung erhob.
„Nichts,“ ſprach Catharina,„ein Signal, das iſt das Ganze.“
„Und was bedeutet dieſes Signal?“
„Es bedeutet, Sire, daß von dieſem Augenblicke an Euer einziger, Euer wahrer Feind Euch zu ſchaden außer Standes iſt.“
„Hat man einen Menſchen getödtet?“ fragte Karl und ſchaute dabei ſeine Mutter mit dem Herrſcherauge an, welches bezeichnet, daß Tödtung und Gnade zwei Attri⸗ bute der königlichen Gewalt ſind.
„Nein, Sire, man hat nur zwei verhaftet.“
Fönigin Margot. II. 19


