fünfzig Jahren den Hof der drei auf einander folgen⸗ den Könige einnahmen, eine Frau in der vollen Be⸗ deutung des Wortes und in dem vollen Zauber der Sache, von vem ſchmachtenden oder in Flammen glän⸗ zenden blauen Auge bis zu den zierlichen, in ihren Sammetſchuhen wohlgebogenen, kleinen Füßen, hatte ſich Frau von Sauve ſeit einigen Monaten aller Fähig⸗ keiten und Kräfte des Königs von Navarra bemächtigt, der um dieſe Zeit auf der Liebeslaufbahn wie auf der politiſchen Laufbahn debutirte, ſo daß Margaretha von Va vis, eine königliche, prachtvolle Schönheit, in dem Herzen ihres Gaiten nicht einmal mehr Bewunderung gefunden hatte; und worüber ſich Jevermann wunderte: ſelbſt Catharina von Medicis, dieſe Seele voll finſterer Geheimniſſe, hatte, während ſie ihren Heirathsplan zwiſchen ihrer Tochter und dem König von Navarra verfolgte, nicht aufgehört, die Liebe des ketzteren zu Frau von Sauve zu begünſtigen. Aber trotz dieſer mächtigen Hülfe und trotz der leichten Sitten der Zeit, hatte die ſchöne Charlotte bis jetzt Widerſtand geleiſtet, und aus vieſem unbekannten, unglaublichen Wider⸗ ſtande, aus vieſem Wiverſtande, welcher noch viel un⸗ erhörter erſchien, als die Schönheit und der Geiſt der Widerſtehenden, war in dem Herzen des Bearners eine Videnſchaft entſtanden, welche, da ſie ſich nicht befrie⸗ digen konnte, ſich auf ſich ſelbſt zurückwarf und in dem Herzen des jungen Königs die Schüchternheit, den Stolz und ſogar jene halb philoſophiſche, halb der Träg⸗ heit entſpringende Sorglofigkeit verſchlang, welche den Grund ſeines Charakters bildete.
Frau von Sauve war wohl ſeit einigen Minuten in den Saal eingetreten. Mag es nun Trotz, mag es Schmerz geweſen ſein, ſie war Anfangs entſchloſſen, dem Trinmphe ihrer Rebenbuhlerin nicht beizuwohnen, und ließ unter dem Vorwande einer Unpäßlichkeit ihren Gatten, der ſeit fünf Jahren Staatsſecretär war, allein nach dem Louyre gehen. Als aber Catharina von


