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Der Herzog verbeugte ſich nun ehrfurchtsvoll, und während er ſich verbeugte, murmelte er mit halber Stimme:
„lpse attuli.“
Was bedeutete:
„Ich habe es ſelbſt gebracht.“
Margarethe gab dem jungen Herzog ſeine Be⸗ grüßung zurück und ließ aufſtehend die Antwort fallen:
„Noctu pro more.“
Das heißt:
„Dieſe Nacht wie gewöhnlich.“
Durch den ungeheuren gefältelten Kragen der Prin⸗ zeſſin wie in einem Sprachrohre aufgefangen, wurden dieſe Worte nur von der Perſon gehört, an welche man ſie richtete. So kurz aber auch dieſer Zwieſprach geweſen war, ſo umfaßte er doch ohne Zweifel Alles, was die zwei jungen Leute ſich zu ſagen hatten; denn nach dem Austauſche von zwei Worte gegen drei trennten ſie ſich, Margarethe die Stirne träumeriſcher und der Herzog die Stirne ſtrahlender, als ehe ſie ſich genähert hatten. Dieſe kleine Scene fand ſtatt, ohne daß der Mann, der am Meiſten dabei betheiligt war, im Ge⸗ ringſten darauf aufmerkſam zu ſein ſchien; denn der König von Navarra hatte ſeinerſeits nur ein Auge für eine einzige Perſon, welche um ſich her einen eben ſo zahlreichen Hof verſammelte, als Margarethe von Va⸗ lois. Dieſe Perſon war die ſchöne Frau von Sauve.
Charlotte von Beaune Semblancay, Enkelin des unglücklichen Semblangay und Frau von Simon von Fizes, Baron von Sauve, war eine von den Hofdamen von Catharina von Medicis und eine der furchtbarſten Gehuͤlfinnen dieſer Königin, welche ihren Feinden den Liebestrank eingoß, wenn ſie ihnen nicht das floren⸗ tiniſche Gift einflößen konnte. Eine kleine Blonde, abwechſelnd ſprühend von Lebhaftigkeit oder ſchmach⸗ tend von Schwermuth, ſtets bereit zur Liebe und zur In⸗ trigue, zu dieſen zwei großen Beſchäftigungen, welche ſeit


