Teil eines Werkes 
1.-4. Bdchn (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

5

3

Kleve. Die Herren von Guiſe ſelbſt lächelten den furchtbaren Feinden ihres Hauſes zu, und der Herzog von Mayenne plauderte mit Herrn von Tavanne und dem Admiral über den nahe bevorſtehenden Krieg, den man Philipp 11. zu erklären mehr als je im Sinne hatte. Mitten unter dieſen Gruppen ging, das Haupt leicht gebeugt, das Ohr für jedes Wort offen, ein junger Menſch von etwa neunzehn Jahren mit feinem Auge, ſchwarzen, kurz geſchnittenen Haaren, dicken Augenbrauen, mit adlerartig gebogener Naſe, mit ſchlauem Lächeln und kaum erſt ſprießendem Barte hin und her. Dieſer junge Menſch, welcher ſich nur erſt in dem Gefechte von Arnay⸗le⸗Due durch ſeinen Muth bemerkbar gemacht hatte und Complimente über Com⸗ plimente erhielt, war der vielgeliebte Zögling von Coligny und der Held des Tages. Drei Monate vor⸗ her, das heißt, zu der Zeit, wo ſeine Mutter noch lebte, hatte man ihn den Prinzen von Bearn ge⸗ nannt. Jetzt nannte man ihn den König von Navarra in Erwartung der Epoche, wo man ihn Heinrich 1V. nennen würde.

Zuweilen zog eine düſtere, raſche Wolke über ſeine Stirne hin. Ohne Zweifel erinnerte er ſich, daß ſeine Mutter vor kaum zwei Monaten geſtorben war, und er zweifelte weniger als irgend Jemand daran, daß ſie den Tod durch Gift erlitten hatte. Aber die Wolke war vorübergehend und verſchwand wie ein ſchweben⸗ der Schatten; denn diejenigen, welche mit ihm ſpra⸗ chen, die ihn beglückwünſchten, die ſich an ihn drängten, waren dieſelben Menſchen, welche die mu⸗ thige Johanna von Albret ermordet hatten.

Einige Schritte von dem König von Navarra

rach beinahe eben ſo gedankenvoll, beinahe eben ſo hümmert, als der erſtere freudig und offen zu ſein

heuchelte, der junge Herzog von Guiſe mit Teligny.

Glücklicher als der Bearner hatte ſein Ruf mit zwei⸗