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„Wäre es des Königs Willen geweſen, den Brief ſich ſelbſt zuſtellen zu laſſen, ſo würde er ihn von Euch ge⸗ fordert haben. Aber ich wiederhole Euch, er hat mich beauftragt, ihn zu fordern, und wenn Ihr mir denſelben nicht geben ſolltet
„Nun?“
„So bin ich ebenfalls beauftragt, ihn zu nehmen.“
„Wie? was wollt Ihr damit ſagen?“
„Daß meine Befehle weit gehen, Madame, und vaß ich bevollmächtigt bin, das verdächtige Papier ſogar an der Perſon Eurer Majeſtät zu ſuchen.“
„Wie abſcheulich!“ rief die Königin.
„Wollt Euch alſo etwas leichter ergeben, Madame.“
„Dieſes Benehmen iſt eine ſchändliche Gewaltthat; wißt Ihr das, mein Herr?“
„Der Koͤnig befiehlt, Madame, entſchuldigt.“
„Ich werde es nicht dulden, nein, nein, eher ſter⸗ ben!“ rief die Königin, bei der ſich das kaiſerliche Blut der Spanierin und der Oeſterreicherin empörte.
Der Kanzler machte eine tiefe Verbeugung; mit der klaren Abſicht, nicht einen Zoll von der Erfüllung des Auf⸗ trags, den er übernommen, zurückzuweichen, und wie es etwa ein Henkersknecht in der Folterkammer hätte thun mögen, näherte er ſich Anna von Oeſterreich, aus deren Augen man in dieſem Momente Thränen der Wuth hervorſtürzen ſah.
Die Königin war, wie geſagt, eine große Schönheit. Der Auftrag konnte als äußerſt delikat angeſehen werden, aber der König war durch die Gewalt ſeiner Eiferſucht gegen Buckingham dazu gelangt, daß er gegen Niemand mehr Eiferſucht fühlte.
Ohne Zweifel ſuchte der Kanzler Seguier in dieſer Minute mit ſeinen Augen den Strang der berüchtigten Glocke, da er ihn aber nicht fand, ſo faßte er ſeinen Ent⸗ ſchluß und ſtreckte die Hand nach dem Orte aus, wo das Papier nach der Königin Geſtändniß verwahrt war. Anng von Oeſterreich wurde ſo hleich, daß man Käe


