Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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Die dreihundert Mann kamen hemdätmelig, bar⸗ häuptig und barfüßig im Lager des Herzogs an.

Die Stadt ergab ſich auf Gnade und Ungnade, verwahrte ſich jedoch gegen Feuer und Plünderung.

Für Lüttich verging die Nacht in einem unbe⸗ ſchreiblichen Tumult. Gegen zwei Uhr Morgens ſah die Kriegspartei, daß ſie in der Minderheit war, und verließ die Stadt in der feſten Ueber⸗ zeugung, daß ſie von dem Sieger keine Gnade zu hoffen hatte.

Man erwartete den Herzog im Verlauf des Tags, aber er wollte durch kein Thor einziehen und ließ daher zwanzig Klafter Mauer einreißen, ſo wie den Graben ausfüllen; er wollte ſchlechter⸗ dings durch die Breſche einziehen, um Lüttich als eine im Sturm genommene Stadt betrachten zu können.

Carl ritt dießmal ſein Streitroß und zog im Schritt, den bloſen Degen in der Fauſt, und in ſeinem Kriegspanzer ein; nur trug er über ſeinem Panzer einen reich mit Edelſteinen beſäten Mantel.

Jeder Einwohner hatte Befehl barhäuptig und mit einer Fackel in der Hand vor ſeiner Hausthüre zu ſtehen. Niemand wußte was aus ihm werden ſollte; Niemand konnte ſagen, ob er am folgenden Tage noch leben würde. Der Herzog war düſter, wie ein heranziehendes Ungewitter, das jeden Augen⸗ blick ſeine Donner zu entladen droht.

Carl gefiel ſich darin Lüttich vom 17. bis zum 26. November in dieſer Angſt zu laſſen.

Am 26. begann die Sturmglocke des Stadt⸗ hauſes ein Trauergetöne... die arme Glocke läu⸗ tete ihren eigenen Tod an.