Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
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Jahr 633 im Dorfe Holtheim, drei Meilen von Gent, den Märtyrertod erlitten hatte.

Wenn Ihr nach Brüſſel geht, liebe Leſer, ſo be⸗ trachtet eines der ſchönſten Rubensſchen Gemälde, das dieſen Märtyrertod darſtellt: ein Henker gibt einem Hund die Zunge des heiligen Biſchofs zu freſſen. Ihr könnt es an dieſem Zug erkennen.

Nun war das Namensfeſt des heiligen Lievin früher von der ganzen Stadt gefeiert worden; Reiche und Arme hatten ſich dabei betheiligt, aber allmälig hatten ſich die Reichen, die Vornehmen und die Beam⸗ ten davon zurückgezogen, weil ſie fanden, daß es für anſtändige Leute viel zu lärmend war.

Es war alſo nur noch ein Feſt für das gemeine Volk. Je tiefer es übrigens herabgekommen war, um ſo luſtiger war es geworden, und man nannte es gewöhnlich nur das Narrenfeſt des St. Lievin.

Die Leute zogen halbbetrunken nach St. Bavon, nahmen das Reliquienkäſtchen auf die Schulter und trugen es an den Ort, wo der Heilige den Märtyrer⸗ tod geſtorben war. Hier verbrachten ſie unter be⸗ ſtändigem Zechen die Nacht, und am folgenden Tag zog die Schaar mit dem Reliquienkäſtchen wieder in die Stadt zurück, aber mit einem furchtbaren Ge⸗ ſchrei und Geheul, wobei Alles niedergeworfen wurde; wer dem Heiligen in den Weg kam, der mußte wei⸗ chen; der Heilige ſelbſt wich Niemnnd aus.

Der Unfug hatte dermaßen um ſich gegriffen, daß man fürchtete, das Feſt könnte in eine Emeute aus⸗ arten, und deßhalb war ſeit dem Frieden von Gavre verboten worden, bewaffnet und in eiſernen Panzer⸗ hemden bei der Prozeſſion zu erſcheinen.