208 Jungfrau von Orleans.
„Gott ſei geprieſen!“ rief Johanna freudig aus; „ſeit ſieben Monaten habe ich den koſtbaren Leib unſres Herrn Jeſu Chriſti nicht empfangen.“
Zugleich warf ſie ſich an ihrem Pfahle auf die Knie, denn wegen der ihren Leib umſpannenden Kette konnte ſie nicht vom Platze, und legte die Beichte einer Heili⸗ gen ab. Mit großer Einfachheit und Würde erzählte ſie ein Leben voller Reinheit und Hingebung, welches durch die fürchterlichſte Todesſtrafe ein Ende nehmen ſollte. Die drei Zuhörer brachen in Thränen aus. Nach der Beichte erhielt ſie das heilige Saerament und betete dann unter dem Beiſtande des Bruders Martin unausgeſetzt.
Um 2 Uhr hörte Johanna das Rollen des Karrens und das Geſchrei der Engländer. Sie merkte, daß der Augenblick des Aufbruchs gekommen ſei. Gleich darauf trat ein Wächter in den Kerker und nahm ihr die Kette ab, zwei andre Wächter brachten ihr andre weibliche Kleidung, die ſie im dunkelſten Winkel des Gefängniſſes anlegte, hierauf band man ihr die Hände und legte ihr um die Beine eiſerne Ringe, die durch eine kurze Kette verbunden waren. Endlich verließ ſie das Gefängniß. Neben ihr gingen Maſſien und Ladvenu, vor ihr aber der Beiſitzer La Pierre, welcher ſie vor den Be⸗ ſchimpfungen der Engländer zu ſchützen ſuchte. Als ſie
—
———


