Jungfrau von Orleans. 201
„In nomine Pomini, amen.
Die Hirten der Kirche, welche das Volk Gottes zu leiten haben, müſſen getreulich wachen, daß der ſtets thä⸗ tige Teufel nicht durch ſeine Liſt die Schafe Jeſu Chriſti verführe. Da Du nun, Johanna, gewöhnlich die Jungfrau genannt, verſchiedener Verirrungen im Glauben Jeſu Chriſti überführt, da Du von Deinen Richtern lange vergeblich gewarnt worden biſt und trotz alle dem fre⸗ ventlich mit Deinem Munde geſündigt haſt, ſo verdam⸗ men wir Dich, damit Du heilſame Buße thun kannſt, zu ewigem Gefängniß mit dem Brode des Schmerzes und mit dem Waſſer der Trübſal, mit Vorbehalt jedoch unſrer mildernden Gnade, wenn Du künftighin dieſelbe durch Deine Aufführung verdienen ſollteſt.“
Hierauf erhob ſich der wilde Erard nochmals mit dem Weheruf:„Frankreich, Frankreich! Du biſt durch ein Weib verführt worden, das Dich ketzeriſch gemacht hat!“
Ihm antwortete Johanna mit feſter Stimme:„Das iſt nicht wahr! Von mir mögt Ihr ſagen was Ihr wollt, aber Frankreich iſt ein heiliges Königreich!“ S*
„Schweigt, Johanna!“ rief man ihr zuz„denn die Euch erzeigte Barmherzigkeit iſt noch nicht lange genug her, als daß man ſie Euch nicht wiedernehmen könnte!“


