Jungfrau von Orleans. 24
bedeckt. Sie aber wandelte auf der Straße von Neuf⸗ chäteau dahin, fand das Geſuchte am Wege, beſchäftigte ſich unter dem Feenbaume mit dem Flechten von Blumen und kehrte dann mit einem ſchönen Kranze von Veilchen und Primeln nach Hauſe zurück. Ihre Geſpielinnen gingen nun auch des Wegs, um ſchöne Kränze zu holen, fanden aber nichts; daher ſprengten ſie aus, Jeannette bekomme die Blumen von den Feen. Noch außerordent⸗ licher war es, zu ihren Füßen Rehe und Hirſchkälber ſpielen, auf ihren Schultern Finken und Grasmücken ſitzen zu ſehen, welche ſo luſtig ſangen, als wiegten ſie ſich auf den höchſten Zweigen eines Baumes. Und alle Welt verwunderte ſich des wunderbaren Anblicks.
In dieſen drei Jahren hatten ſich Karl's VI. An⸗ gelegenheiten immer noch verſchlimmert; die Felder waren unbebaut, die Dörfer lagen in Ruinen, Frankreich war bis an die Loire eine ungeheure Einöde. Die Einwoh⸗ ner lebten theils in unzugänglichen Wäldern, theils hin⸗ ter den Mauern feſter Städte. In letztern mußte immer jemand auf dem Glockenthurme Wache halten und ſo⸗ gleich Sturm läuten, ſobald ſich der Feind zeigte. Bei dieſem Tone eilten Menſchen und Thiere, welche ſich außerhalb der Ringmauer befanden, in die Stadt, um dem Würgen der Inſulaner zu entgehen.
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