Jungfrau von Orleans. 17
Bedünkens ſchon zu ſpät, indem der Graf von Salis⸗ bury— trotz ſeinem dem gefangenen Herzog von Orleans in England gegebenen Verſprechen die während der Gefangenſchaft ihres Gebieters vertheidigungsloſen Landſchaften nicht zu überfallen— die gute Stadt Orleans, den letzten Wall des Königs an der Loire, mit Heeresmacht belagert...“
„Jeder Meineid iſt eine ummittelbare Beleidigung des Himmels,“ erhob ſich eine ſanfte Stimme an Vater Durand's Seite,„und darum hat auch der treuloſe Graf ſeinen Lohn erhalten.“
„Was meint das Kind?“ fragte Ritter Baudri⸗ eourt erſtaunt, daß ſich ein ſo junges Mädchen in ein Geſpräch miſchte, welches die meiſten Anweſenden nicht würden haben unterhalten können.
„Ich meine,“ ſagte Jeannette ebenſo ſanft und be⸗ ſcheiden als ruhig und zuverſichtlich,„daß der Graf Salisburh für ſeine Treuloſigkeit gebüßt hat, indem vor kurzem ſein Auge von dem Splitter eines Steines zerriſſen wurde, ſo daß er in ſeinen Sünden ſterben mußte.“
„Und woher kam Dir die Kunde von einer ſö frohen Botſchaft, liebes Kind, während ich ſelbſt nichts davon
weiß?“ fragte der Ritter lachend.
Inungfran von Orſeans. 2


