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„Nein,“ ſagte er zu ſich ſelbſt;„ſobald Ingénue nicht geſprochen hat, wird ſie auch nicht ſprechen; Ingénue wird meinen Grafen von Artvis verheim⸗
lichen, damit ich ihren Pagen verheimliche: Rhabar⸗
ber und Senna, die wir uns gegenſeitig werden hingehen laſſen. Nun wohl, es ſei; verſuchen wir den Frieden auf dieſen Baſen.“
Und nachdem er ſich vom Vater in Betreff ſei⸗ ner ungeſtümen Keckheiten, welche die Grazien er⸗ ſchreckt, hatte herunterkanzeln laſſen, nachdem er Alles erduldet, was Rötif mit rhetoriſchen Blumen und Synonymie, mit Allegorien und Anſpielungen auf dieſe unglückiche Hochzeitnacht zu umgeben beliebte, neigte er das Haupt und ging zu ſeiner Frau.
Sie erwartete ihn; ſie hatte ihn kommen ſehen.
Er debutirte auf die gute Art; ſie antwortete ihm in einer derben Manier.
Auf ſeine Kniee fallend, ſprach er:
„Verzeihen Sie mir! ich bin nicht ſchuldig. Können Sie mir böſe ſein, daß ich Drohungen nachgegeben habe? In der Furcht vor den Großen erzogen, glaubte ich, wir ſeien Alle verloren, wenn Einer der mächtigen Herren dieſes Reiches uns mit ſeinem Zorne bedecke; der Herr Graf von Artois hat mir anbefohlen, zu handeln, wie ich gehandelt habe; er hat gegen mich das Arſenal ſeiner Rache entwickelt; er ließ mich die Baſtille, den Tod für mich erſchauen! das Gefängniß für Sie und für Ihren Vater! er ließ mir die Wahl zwiſchen der Armuth für unſer Daſein und dem Vermögen mit der Freiheit.“
Ingénue faltete ihre Lippen unter der tieſſten Verachtung.


