Teil eines Werkes 
6.-10. Bdchn (1855)
Entstehung
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Dieſe Proceſſion von reizenden Geſichtern, von Köpfen mit ſüßem, herausforderndem Lächeln, von widerſpänſtigen Füßen, von rebelliſchen Armen, von kratzenden oder verliebten Händen, nahm für den guten Mann den Raum einer Secunde ein, glück⸗ liche Zeit, wie alle die glücklichen Zeiten, die ſich ihm in ſeinem optiſchen Glaſe zeigten.

Und mit einem ſchweren Seufzer, der nicht trau⸗ rig genug war, um ihm den Magen zu verſtopfen, ging Rétif ins neue Speiſezimmer, um mit Ingénue, deren Dienerin das Mahl bereitet hatte, zu früh⸗ ſtücken.

L.

Was im Zimmer von Ingénue vorfiel, während Ghriſtian auf der Straße lauerte.

Beim Frühſtück war es ſtill; befangen, ſprach Ingénue nichts aufs Gerathewohl. Rétif nach⸗ denkend.

Der Tag verging ebenſo. Ingénue fing an zu arbeiten, wie ſie es als Mädchen that; für Rétif ſetzte ſie ihr früheres Leben fort; für jeden Andern hätte ſie ſich an ein neues Leben anzuhängen ge⸗ ſchienen, ſo viel Reſignation und ſanfte Träumerei war in ihr.

Wir wären erſtaunt, die Zurückhaltung von Rétif zu ſehen, hätte ihm nicht der Gedanke, Auger habe ein wenig mißbraucht, den Mund verſchloſſen. Er nahm ſich vor, ſeinem Schwiegerſohne, ſobald er ihn ſehen würde, eine väterliche Vorſtellung zu machen.