Teil eines Werkes 
6.-10. Bdchn (1855)
Entstehung
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Ingénue ſtand aber auf, trocknete ihre Thränen und ſagte zu ihrem Vater:

Mein Vater, beſchäftigen wir uns mit Ihrem Frühſtück.

Wie, mit meinem Frühſtück? Nun, und das Deinige? und das von Deinem Manne? Frühſtückt Ihr denn, oder vielmehr, frühſtücken wir nicht mit einander?

Ich habe keinen Hunger, und Herr Auger, wenn er Hunger hat, wird wiſſen, daß er zur Stunde kommen muß.

Teufel! wie Du ihn lenkſt!

Mein Vater, ich bitte Sie inſtändig, ſprechen wir nicht mehr hievon!

Sprechen wir im Gegentheile hievon! Ingénue, nimm Dich in Acht! Du biſt eine verheirathete Frau, und Du biſt Deinem Manne Rückſichten ſchuldig...

Ich bin weder Frau, noch verheirathet, noch zu Rückſichten gegen Herrn Auger verbunden. Er begnüge ſich mit dem, was man ihm geben wird: das wird immerhin genug für ihn ſein.

Wie?

Sie kennen mich, mein Vater, und Sie wiſſen, daß ich, wenn ich etwas ſage, wie dies, das Recht, mehr als das Recht habe, es zu ſagen.

Dieſe bis zur Grauſamkeit getriebene Strenge ſetzte Rétif in Erſtaunen; doch er wußte, daß die Frauen manchmal unbarmherzig gegen diejenigen ſind, welche zu viel gewagt, wie gegen die, welche nicht genug gewagt haben.

Man ſieht, daß ſich Rétif immer in demſelben Kreiſe drehte.