178
zauberiſchen Lächeln,„wie viel der Kopf eines Mannes werth iſt, der ſie tödtlich beſchimpft hat?“
Eine lebhafte Röthe bedeckte die bleiche Stirne des Königs, der einen Augenblick zu leben ſchien.
„Ein Mann hat Euch tödtlich beſchimpft, meine Liebe?“ fragte er.
„Tödtlich.“
„Ah, ah, dieß iſt der Tag der Beſchimpfungen,“ ſagte der König:„denn auch mich hat ein Mann tödtlich beſchimpft; unglücklicher Weiſe kann ich mich nicht rächen. Um ſo ſchlimmer alſo für den Euri⸗ gen, meine ſchöne Freundin,“ ſagte Franz ll. mit dem Lächeln eines Kindes, das einen Vogel er⸗ würgt,„der Eurige wird für Beide bezahlen.“
„Dank, mein König! Ich zweifelte nicht daran, daß, je mehr das junge Mädchen, das Alles für Euch geopfert hat, entehrt worden iſt, Ihr um ſo geneigter ſein würdet für ihre Ehre Partei zu er⸗ greifen.“
„Welche Strafe verlanget Ihr für den Ver⸗ brecher?“
„Hab ich Euch nicht geſagt, daß die Beleidi⸗ gung eine tödtliche ſei?“
„Nun wohl?“
„Nun wohl, auf eine tödtliche Beleidigung ge⸗ bührt die Todesſtrafe.“
„Oh, oh,“ ſagte der Fürſt,„es iſt heute kein Tag der Gnade, Jedermann verlangt den Tod von irgend Jemand. Und welcher Kopf iſt es, den Ihr verlangt? Laßt ſehen, meine ſchöne Grauſame.“
„Ich habe es Euch bereits geſagt, Sire, der Kopf des Mannes der mich beſchimpft hat.“


