8 5 D*
S—
n
167
„Von Haß, Mezieres! in Eurem Alter? der Haß ſteht dem Alter der Liebe ſchlecht an.“
„Gnädiger Herr, ich haſſe, ich will mich rächen. Ich kam um Fräulein von St. André um einen Rath zu bitten.“
„Meine Tochter?“
„Ja, und da ſie nicht da iſt...
„Ihr ſeht es.“
„So will ich mir dieſen Rath von Euch erbitten.“
„Sprecht, mein Sohn.“
„Gnädiger Herr, fuhr ich fort, ich liebte glühend eine junge.
„So iſts recht, Mezieres! ſagte der Marſchall lachend; erzählet mir von Euern Liebesgeſchichten; die Worte der Liebe kommen ganz natürlich auf die Lippen Eures Alters, wie im Frühjahr die Blumen in die Gärten kommen; und wird Euch Eure Liebe vergolten von derjenigen, die Ihr ſo heiß liebet?“
„Gnädiger Herr, ich machte nicht einmal An⸗ ſpruch darauf. Sie ſtand durch ihre Geburt und ihre Glücksumſtände ſo hoch über mir, daß ich ſie in der Tiefe meines Herzens wie eine Gottheit an⸗ betete, der ich kaum den Saum ihres Kleides zu küſſen wagte.“
„Es iſt alſo eine Dame vom Hof?“
„Ja, gnädiger Herr, antwortete ich ſtammelnd.“
„Ich kenne ſie alſo?“
„Oh ja.“
„Nun wohl, was iſt Euch widerfahren, Mezie⸗ res? Eure Gottheit wird heirathen, wird die Frau eines Andern werden, und das beunruhigt Euch?“
3 3 „


