Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
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ihren erröthenden Wangen, dem halboffenen Munde, den Zähnen, die gleich einer doppelten Perlenreihe in einem Korallenkäſtchen funkelten; ſie war ſo wahrhaft das Abbild der Wolluſt, daß der Prinz in dieſem Augenblick ihre Koketterie, ihren Haß, ihre Drohungen vergaß und im Begriff ſtand aus ſeinem Verſteck hervorzukommen, ſich ihr zu Füßen zu werfen und zu rufen:

Ums Himmels willen, junges Mädchen, liebe mich eine Stunde und nimm für dieſe Stunde der Liebe mein Leben hin!

Zum Glück oder Unglück für ihn, denn wir ha⸗ ben die Vor⸗ oder Nachtheile nicht erwogen, welche die Ausführung dieſes plötzlichen Gedankens hätte haben dürfen, drehte ſich das junge Mädchen nach der Thüre um und ſagte oder ſtammelte vielmehr:

Ach, Geliebteſter meines Herzens, wirſt Du denn nicht kommen?

Dieſer Ausruf und dieſer Anblick gaben dem Prinzen ſeinen ganzen Zorn zurück, und Fräulein von St. André erſchien ihm von Neuem als das haſſenswertheſte Geſchöpf der Erde.

Sie ging nach dem nächſten Fenſter, zog die dichten Vorhänge hinweg, verſuchte das ſchwere Fenſter zu öffnen, und da es ihren zarten länglichten Händen an Kraft zu einem ſolchen Geſchäft man⸗ gelte, ſo begnügte ſie ſich, ihren Kopf an das koſt⸗ bare Glas zu drücken.

Das Gefühl der Friſche, das ſich ihrer Stirne mittheilte, veranlaßte ſie ihre ſchmachtenden Augen wieder aufzuſchlagen; ſie blieben eine Weile unklar und wie geblendet; dann begannen ſie allmählig die

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