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Und Ihr, liebe Leſer, ſeid Ihr wohl gefaßt auf den Inhalt dieſes Briefs, der aus Verſehen in dem Schnupftuch geblieben, das Fräulein von St. ihrem verzweifelten Liebhaber zugeworfen at?
Ihr Kenner des Menſchenherzens, habt Ihr eine gute Meinung von dem jungen Mädchen, das weder für dieſen hübſchen Pagen noch für dieſen ſchönen Prinzen Liebe empfindet, und das dem Einen Rendezvous gibt um eine Angelleine von ihm zu verlangen, dem Andern ihr Schnupftuch zuwirft, damit er ſich die Thränen trodne, die ihretwegen fließen, und zwar dieß Alles, während ſie im Begriff ſteht einen Dritten zu heirathen?
Bringt die Natur wirklich ſolche ſteinerne Her⸗ zen hervor, welche die ſtärkſte und ſchneidendſte Klinge nicht zu rizen vermag? Ihr zweifelt?
Sehet den Inhalt des Briefes an und Ihr werdet nicht mehr zweifeln.
„Lieber Schatz, kommt morgen Nacht um Ein Uhr fein gewiß in das Zimmer der Verwandlun⸗ gen: das Zimmer, wo wir geſtern Nacht beiſammen waren, liegt zu nahe beim Gemach der beiden Kö⸗ niginnen; unſere Vertraute wird dafür ſorgen, daß die Thüre offen bleibt.“
Keine Unterſchrift; die Hand unbekannt.
„Oh, das verworfene Geſchöpf!“ rief der Prinz, indem er mit der Fauſt auf den Tiſch ſchlug und den Brief fallen ließ.
Und nach dieſem erſten Ausbruch, der aus ſei⸗ nem tiefſten Herzen kam, ſtand er einen Augenblick wie vernichtet da.
Dumas, Horoſcop. I. 12


