— 171—
„Du biſt ſo gut und kommſt wohl nicht auf den Gedanken, daß man Dich betrügen könne. Ich war übrigens in demſelben Irrthume befangen und muß be⸗ kennen, daß mich die Enttäuſchung über einen Mann, den ich unſern Freund wähnte, ſehr traurig geſtimmt hat.“
— Was will ſie damit ſagen? flüſterte Wilhelm. Er fuhr fort:
„Du weißt, wie gut und vertrauensvoll wir Herrn Triſtan ſtets entgegengekommen ſind, und ich ſelbſt be⸗ ging jetzt die Unklugheit, ihn zum Vertrauten unſerer Liebe zu machen, indem ich von ihm mein Portrait malen ließ und ihn beauftragte, es Dir zu übergeben. Doch wie unrecht thaten wir, einem ſolchen Manne zu trauen! 6
„Geſtern Abend nahm ich unſchulvigerweiſe ſeinen Arm und machte mit ihm einen Spaziergang durch den Garten, vertraulich von Dir plaudernd. Anfangs ant⸗ wortete er mir, ſpäter aber bemerkte ich, daß er mir nicht mehr antwortete, ſondern ſtärker und immer ſtärker meinen Arm drückte. Ich wollte ihn zurückziehen, aber er hielt ihn feſt. Als ich mich ſetzte, nahm er an mei⸗
ner Seite Platz und ohne mir zu ſagen, daß er mich liebte, ließ er es mich doch auf eine Weiſe merken, daß meine Lage ſehr gefährlich geworden wäre, wenn Lotte


