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empfand, eine größere Liebe zu ſeiner Freundin hegte, ſo ſchätzte er Euphraſia's Brief höher und beſchloß, um das Beſte zuletzt zu genießen, zumal da er ihm ſtärker erſchien, Triſtan's Brief zuerſt zu leſen.
Wilhelm ſchloß ſein Fenſter, damit das Geräuſch, das von der Straße herauf drang, ſeine zweifache Lectüre nicht ſtören konnte, dann küßte er entzückt den zurückgelegten Brief, warf ſich nachläſſig in einen großen Stuhl und las:
„Ich glaube kaum, mein beſter Wilhelm, daß Sie ermeſſen können, wie unglücklich mich Ihre Abweſenheit macht. Ich wüßte nicht, was ich darum gäbe, wenn Sie hier wären. Zwar bin ich überzeugt, daß Sie mei⸗ nen Kummer theilen, ich zweifle indeß, daß er dieſelbe Urſache haben mag.
„In Bezug auf Sie iſt in dem Hauſe keine Ver⸗ änderung vorgegangen, nur für mich ſcheint der Horizont ein wenig trübe werden zu wollen. Wie mir ſcheint, werde ich aus Gründen, die ich Ihnen ſpäter mitzuthei⸗ len gedenke, Herrn Van⸗Dick verlaſſen müſſen. In al⸗ lem, was ich unternehme, habe ich Unglück, und wenn ich nicht von Zeit zu Zeit Troſt aus Ihrer Freundſchaft für mich ſchöpfte, ich würde an dem Leben verzweifeln.
„So oſt ich mich bei Madame Van⸗Dick befand, haben wir von Ihnen geſprochen. Ich erlaube mir dieſen


