Teil eines Werkes 
1. Bd. (1848)
Entstehung
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Nie verzeiht eine Frau einem Manne, wenn er ſie verſchmäht, und vorzüglich dann, wenn ſie, wie Euphraſia, ihn allein zum Vertrauten ihrer Liebe gemacht hat.

Euphraſia war keine geiſtreiche Frau, wie wir bereits oft und vielleicht zu oft geſagt haben, aber ſie war eine Frau, die, wenn die Leidenſchaft der Sinne oder des Her⸗ zens ſie einen Augenblick beherrſchen oder in einen treulo⸗ ſen Zuſtand verſetzen konnte, einmal zur Ueberlegung ge⸗ kommen, nie wieder in dieſelhe Lage zurückverfiel Außer⸗ dem war ſie für äußere Verführungen und phyſiſche Ein⸗ drücke ſehr empfänglich, ſo daß wir uns nicht wundern können, ſie in dieſem letzten Kampfe gegen den unverwund⸗ baren Triſtan mit ſolchen Waffen ausgerüſtet zu erblicken.

Der Tag war ſchwül wie der Abend, der ihm vor⸗ anging; aber ſo ſchwül auch jener Abend war, ſo ſtellte ſich doch dann und wann ein kühles Lüftchen ein, das eine glühende Stirn erfriſchen und eine gepreßte Bruſt be⸗ ruhigen konnte, und ſo einſam Euphraſia in ihrem Garten auch war, ſo konnte ſie doch von aller Welt überraſcht werden, wie zum Beiſpiel von der dicken Lotte: jetzt aber war ihre Tugend vor den beiden Freunden des Abends geſichert, die friſche Luft und die Zeugen konnten ſie nicht erreichen. Sie war in ihrem Zimmer, wo niemand das Recht hatte, ſie zu ſtören; die Fenſtervorhänge waren ge⸗