Teil eines Werkes 
1. Bd. (1848)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

——

mehr ſeine Köchin und hat Euphraſia ſeinem Commis nicht

anvertraut, während ich mich damit befaſſe, über die Tugend der Dame zu wachen.

Das Inſtrument tönte immer fort.

— Wer wird es erfahren? ſprach Triſtan weiter; au⸗ ßerdem iſt Euphraſia kein junges Mädchen mehr, Wilhelm iſt nicht ihr erſter Liebhaber und ich werde nicht der letzte ſein. Wer wird ihm ſagen, daß ſie ihn betrogen hat? Ein Unglück, was man nicht kennt, iſt kein Unglück zu nennen. Ich habe gethan, was ich konnte, um Euphraſia zu vermeiden; ſie ſelhſt hat gewünſcht und wünſcht immer noch. Wenn ſie Wilhelm nicht mehr liebt, wird ſie meine Gleichgültigkeit nicht vermögen, ihn zu lieben. Außerdem iſt ſie auch ſehr ſchön. Als ich den Eid leiſtete, wußte ich nicht alles, was ich jetzt weiß.

Triſtan verſank in Nachdenken.

In dieſem Augenblicke ſchwieg das Pianv.

— Ah! ſprach er, und unwillkühriich klopfte ſein Herz.

— Sie ſpielt nicht mehr, ſie erwartet mich!

Leiſe, auf den Fußſpitzen, ſchlich er zum Fenſter. Auch Euphraſta war an ihrem Fenſter und huſtete jenen hart⸗ näckigen Huſten, der laut allgemeiner Uebereinkunft be⸗

ſtimmt iſt, begreiflich zu machen, daß der, den man erwartet, kommen kann.