Druckschrift 
Heinrich IV / von Alexander Dumas. Aus d. Franz. von Gottlob Fink
Entstehung
Einzelbild herunterladen

47

proteſtantiſchen Stadt. So kam es, daß die beiden Religionen nicht mehr, wie in dem neutralen Städt⸗ chen Nerac, jede ihre eigenen Tempel hatten. Alles was man Margareth erlaubte beſchränkte ſich dar⸗ auf, daß ſie in einer kleinen Schloßkapelle, die kaum ſechs oder ſieben Perſonen faßte, die Meſſe hören durfte. Die wenigen Katholiken der Stadt hofften mindeſtens in kleinen Abtheilungen dieſer Meſſe anwohnen zu dürfen; aber kaum befand ſich die Königin in der Kapelle, als ein gewiſſer Lepin, ein eifriger Hugenotte und Intendant des Königs von Navarra, die Brücke aufziehen ließ. Am Pfingſt⸗ tag des Jahres 1579 jedoch gelang es einigen Ka⸗ tholiken ſich in die Kapelle zu ſchleichen und als fromme Räuber des himmliſchen Wortes die Meſſe zu hören. Die Hugenotten ſind, wenn ſie ſich im Beſitz der Gewalt befinden, nicht minder verfol⸗ gungsfüchtig als die Katholiken, wie der Scheiter⸗ haufen beweist, welchen der arme Servet in Genf beſteigen mußte. Sie entdeckten die Eindringlinge, benachrichtigten Lepin von dieſer Uebertretung ſei⸗ ner Befehle, und nun drang man in Gegenwart der Königin ſelbſt in die Kapelle, verhaftete die Katholiken und führte ſie unter allerlei Mißhand⸗ lungen ins Stadtgefängniß.

Margareth beklagte ſich darüber bei ihrem kö⸗ niglichen Gemahl.

Lepin kam dazu und ſprach mit einem Hochmuth, welchen die Königin als Unverſchämtheit, der Kö⸗ nig jedoch nur als Unbeſcheidenheit bezeichnete. Aber die Königin, die ihre Macht kannte, beſtand auf der augenblicklichen Freilaſſung der gefangenen