300. bleich und düſter vor dem Gitter, das ſie auf immer von einander trennte, auf die Kniee nieder.
„Meine Schweſter! meine Schweſter! 4 vermochte er nur zu ſagen.
„Mein Bruder!“ erwiederte die Schweſter Benie voll Sanftmuth.
Eine Thräne floß langſam üher ihre Wange. Zugleich aber lächelte, ſie wie die Engel lächeln müſſen.
Als Gabriel den Kopf ein wenig abwandte, er⸗ blickte er die andere Diana, Frau von Poitiers. Sie lachte, wie die Teufel lachen müſſen.
Doch Gabriel lenkte in ſeiner Verachtung alsbald ſüehe zu Schweſter Benie ſeinen Blick und ſeinen Geiſt zurück.
„Meine Schweſter!. wiederholte er abermals. voll Inbruſt und Bangen. ₰
Diana von Poitiers ſprach nun kalt:
„Mein Herr, ohne Zweifel als Eure Schweſter in„ Jeſu Chriſto begrüßt Ihr mit dieſem Namen diejenige, welche geſtern noch Frau von Caſtro hieß?“
„Was wollt Ihr damit ſagen, Madame? Großer Gott! was wollt Ihr damit ſagen?“ fragte Gabriel, der ſich ganz zitternd erhob.
Diana von Poitiersſwandte ſich, ohne ihm unmittel⸗ bar zu antworten, an ihre Tochter und ſagte;
„Mein Kind, ich glaube der Augenblick iſt gekom⸗ men, Euch das Geheimniß zu enthüllen, von dem ich geſtern ſprach, und das mir, wie mir ſcheint, Euch län⸗ ger zu verbergen meine Pflicht verbietet.“
„Oh! was iſt das?“ rief Gabriel ganz beftürzt.
„Mein Kind,“ fuhr Frau von Poitiers ruhig fort, „ich habe, wie ich Euch geſagt, nicht allein um Euch zu ſegnen, die Einſamkeit verlaſſen, in der ich, Dank ſei es Herrn von Montgommery, ſeit beinahe zwei Jahren lebe. Seht keine Ironie in meinen Worten, mein Herr,“ ſagte ſie mit ſpöttiſchem Ton, um eine Bewegung


