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Frankreich verlaſſen zu ſehen. Doch Maria konnte ſich nicht entſchließen, von dieſem Land zu ſcheiden, wo ſie eine ſo glückliche und geliebte Königin geweſen war. Bis in ihren ſchmerzlichen Erinnerungen, welche ſie an ihren frühzeitigen Witwenſtand mahnten, hatten dieſe theuren Orte für ſie einen Zauber und eine Poeſie, wovon ſie ſich nicht losreißen konnte.
Maria Stuart fühlte nicht allein dieſe Poeſie, ſie vrückte ſie auch aus. Sie beweinte nicht nur den Tod von Franz I. wie eine Frau, ſondern ſie beſang ihn wie ein Muſe. Brantome hat uns in ſeiner Bewunde⸗ rung für ſie Klagelieder ihrer Dichtung aufbewahrt, die ſich mit den merkwürdigſten Poeſien jener Zeit verglei⸗ chen laſſen.
In Rheims, wohin ſie ſich Anfangs zu ihrem Oheim von Lothringen zurückgezogen hatte, ließ ſie dieſe har⸗ moniſche und rührende Klage entſtrömen. Sie blieb bis am Ende des Frühjahrs in der Champagne. Dann forderten die religisſen Unruhen, welche in Schottland ausgebrochen waren, ihre Gegenwart in dieſem Lande. Die beinahe leidenſchaftliche Bewunderung, welche, noch ein Kind, Carl IX. äußerte, wenn er von ſeiner Schwä⸗ gerin ſprach, beunruhigte andererſeits die argwöhniſche Regentin Catharina. Maria Stuart mußte ſich alſo zur Abreiſe entſchließen.
Sie kam im Monat Juli, um Abſchied zu nehmen, an den Hof von Saint⸗Germain, und die Zeichen der Ergebenheit, beinahe der Anbetung, die ſie hier em⸗ pfing, vermehrten noch wo möglich ihren bittern Kummer.
Ihr Witthum, das man ihr auf die Touraine und auf Poitou anwies, war auf eine Rente von zwanzig tauſend Livres feſtgeſtellt; ſie nahm auch nach Schott⸗ land reiche Juwelen mit, und dieſe Beute konnte einen Seeräuber in Verſuchung führen. Man befürchtete da⸗
bei für ſie eine Gewaltthat von Eliſabeth von Eng⸗
land, welche in der jungen Königin von Schottland eine Nebenbuhlerin ſah. Viele Edelleute boteu ſich da⸗


