XIII. Das Sterbebett der Rönige.
Die Königin Mutter hatte mittlerweile ihre Zeit nicht verloren. Sie ſchickte zuerſt zum König von Na⸗ varra den Cardinal von Tournon, ihre Creatur, und brachte ihre geſchriebene Uebereinkunft mit den Boöür⸗ bonen in Ordnung. Dann vor Tagesanbruch empfing ſie den Kanzler PHopital, der ihr die baldige Ankunft in Orleans ihres Verbündeten, des Connetable, mit⸗ theilte. Von ihr benachrichtigt, verſprach l'Hovital, ſich um neun Uhr im großen Saale des Amthauſes einzu⸗ finden, der vor dem Gemach des Königs kam, und dahin ſo viel Parteigänger von Catharina, als er finden könnte, mitzubringen. Endlich ließ die Königin Mutter auf halb neun Uhr Chapelain und ein vaar andere könig⸗ liche Aerzte rufen, deren Mittelmäßigkeit die geborene Feindin des Genies von Ambroiſe Paré war.
Als ſie ſo ihre Maßregeln getroffen hatte, trat ſie, wie wir geſehen, zuerſt in das Gemach des Königs, der ſo eben erwacht war. Sie ging gerade auf das Bett ihres Sohnes zu, betrachtete ihn einige Augenblicke den Kopf ſchüttelnd, wie eine ſchmerzlich betrübte Mutter, drückte einen Kuß auf ſeine herabhängende Hand, trock⸗ nete ein paar Thränen und ſetzte ſich ſo, daß ſie ihn beſtändig im Blick hatte.
Auch ſie wollte nun, wie Maria Stuart, über dieſem koſtbaren Todeskampf wachen, doch auf ihre Weiſe.
Der Herzog von Guiſe krat beinahe in demſelben Augenblick ein. Nachdem er ein paar Worte mit Ma⸗ ria geſprochen hatte, ging er auf ſeinen Bruder zu und fragte ihn:


