Teil eines Werkes 
12.-16 Bdchn (1847)
Entstehung
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befriedigen, mein Oheim, ſo werde ich es nicht ver⸗ hindern.“

Der Cardinal mäßte ſich wohl mit dieſem Ver⸗ ſprechen begnügen. Er ſetzte ſich wieder an ſeinen Tiſch und Maria kehrte an ihr Betpult zurück, er wartend, ſie hoffend.

Doch die langſamen Stunden dieſer Nacht gingen vorüber, ohne daß Franz II. erwachte. Das Verſpre⸗ chen von Ambroiſe Paré war kein leeres geweſen; ſeit vielen Nächten hatte der König keinen ſo tiefen und langen Schlaf gehabt.

Von Zeit zu Zeit machte er wohl eine Bewegung, ließ er eine Klage vernehmen, ſprach ex ein Wort aus, einen Namen beſonders: den von Maria.

Doch beinahe ſogleich verſank er wieder in die Schlaf⸗ trunkenheit.. und der Cardinal, der ſich haſtig er⸗ hoben hatte, mußte getäuſcht wieder an ſeinen Platz zurückkehren.

Er zerknitterte ſodann voll Ungeduld in ſeiner Hand dieſen unnützen Spruch, dieſen unſeligen Urtheilsſpruch, der vielleicht ohne die Unterſchrift des Königs der ſeinige wurde.

So ſah er allmälig die Kerzen niederbrennen und erbleichen und die kalte Morgendämmerung des Decem⸗ bers vor den Fenſtern erſcheinen.

Als es acht Uhr ſchlug, bewegte ſich der König, öffnete er die Augen und rief:

„Maria! biſt Du da, Maria?“

„Immer!“ antwortete Maria Stuart.

Karl von Lothringen ſtürzte, ſein Papier in der Hand vor. Es war vielleicht noch Zeit! ein Schaffot iſt ſchnell errichtet!...

Doch in demſelben Augenblick trat Catharina von Medicis durch ihre Thüre in das königliche Gemach.

„Zu ſpät!“ ſagte der Cardinal zu ſich ſelbſt.„Ah! das Glück verläßt uns, und wenn Ambroiſe den König nicht rettet, ſind wir verloren.“