Teil eines Werkes 
12.-16 Bdchn (1847)
Entstehung
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„Ich werde vorübergehen,“ ſprach Karl von Loth⸗ ringen mit kurzem Tone.

„Ihr wagt es, Hand an mich zu legen, mein Herr?“

„Meine Nichte!...

„Nicht mehr Eure Nichte, Eure Königin!“

Dies wurde mit einem ſo feſten, ſo würdigen und ſo königlichen Ton geſprochen, daß der Cardinal ver⸗ blüfft zurückwich.

„Ja, Eure Königin!“ ſprach Maria,„und wenn Ihr noch einen Schritt, eine Geberde macht, werde ich, während Ihr zum König geht, zur Thüre gehen; ich werde diejenigen rufen, welche dort wachen müſſen, und obgleich Ihr mein Oheim, obgleich Ihr Miniſter, obgleich Ihr Cardinal ſeid, werde ich, die Königin, be⸗ fehlen, daß man Euch als des Verbrechens der Maje⸗ ſtätsbeleidigung ſchuldig verhaftet.“

„Ein ſolches Aergerniß!...“ murmelte der Car⸗ dinal erſchrocken.

„Wer von uns wird es gewollt haben, mein

S

Das funkelnde Auge, der wogende Buſen, die ganze entſchiedene Haltung der Königin ſagten hinrei⸗ chend, ſie würde ihre Drohung verwirklichen.

Und dann war ſie ſo ſchön, ſo ſtolz, und zu glei⸗ cher Zeit ſo rührend, daß der Prieſter mit dem ehernen Herzen ſich beſiegt und erſchüttert fühlte. Der Mann gab dem Kinde nach; die Staatsraiſon gehorchte dem Schrei der Natur. „Gut!“ ſagte der Cardinal, tief ſeufzend,„ich werde warten, bis der König aufwacht.“ „Ich danke!“ ſprach Maria, zu dem ſanften und traurigen Ton zurückkehrend, der ihr ſeit der Krankheit des Königs zur Gewohnheit geworden war.

„Wenn er im Stande iſt, Euch zu hören und zu

„Doch wenigſtens wenn er erwacht iſt. 4 fügte von Lothringen bei. *