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„Wohin geht Ihr?“ ſagte ſie mit leiſem und dennoch feſtem und ſchon zornigem Tone zu ihm.
„Madame,“ antwortete der Cardinal,„es iſt wichtig, es iſt unerläßlich, daß der König dieſes Papier unter⸗ zeichnet.“
„Das Wichtigſte, das Unerläßlichſte iſt, daß der König ruhig ſchläft.“
„Seinen Namen unter dieſe Schrift, Madame, und ich werde ihn nicht mehr beläſtigen.“
„Aber Ihr werdet ihn aufwecken,“ entgegnete bie Königin,„und das will ich nicht. Ueberdies iſt er in dieſem Augenblick unfähig, die Feder zu halten.“
„Ich werde ſie für ihn halten,“ erwiederte Karl von Lothringen
„Ich habe Euch ſchon geſagt: Ich will nicht!“ ſprach Maria Stuart mit gebietendem Weſen.
Erſtaunt über dieſes Hinderniß, an das er nicht gedacht hatte, hielt der Cardinal einen Augenblick inne; ſ aber fuhr er mit ſeinem einſchmeichelnden Tone ort:
„Hört mich, Madame, meine liebe Nichte, hört mich. Ich will Euch ſagen, um was es ſich handelt: Ihr begreift, daß ich die Ruhe des Königs achten würde, wenn ich nicht durch die ernſteſte Nothwendigkeit ge⸗ zwungen wäre. Es handelt ſich um unſer Glück und um das Eurige, um unſer Heil und um das Eurige. Hört mich wohl, dieſes Papier muß vom König vor Tagesanbruch unterzeichnet ſein, oder wir ſind verloren, verloren, ich geſtehe es Euch.“
„Das geht mich nichts an,“ entgegnete ruhig Maria.
„Doch, ich wiederhole Euch, unſer Ruin iſt auch Euer Ruin, Ihr Kind, das Ihr ſeid!“
„Nun, was liegt mir daran? kümmere ich mich um Eure ehrgeizigen Beſtrebungen? Mein Ehrgeiz beſteht darin, daß ich denjenigen rette, welchen ich liebe, daß ich ſein Leben erhalte, wenn ich kann, und mittler⸗


