274
dinal;„der alte Fuchs will den Kopf ſeines Neffen retten. Ich wette, daß es abermals die Königin Mutter iſt, die ihn davon hat in Kenntniß ſetzen laſſen! Oh! daß man nichts gegen dieſe Frau vermag!“
„Es iſt jetzt nicht der Augenblick, gegen ſie zu han⸗ deln, ſondern für uns zu handeln,“ entgegnete der Ba⸗ lafre.„Was ſollen wir thun?“
„Zieht mit den Unſrigen dem Connetable ent⸗ gegen.“
„Steht Ihr mir dafür, daß Ihr Orleans im Zaum haltet, wenn ich mit meinen Streitkräften nicht mehr hier bin?“ fragte der Herzog.
„Ach! nein, das iſt wahr,“ erwiederte der Cardinal.„Alle dieſe Leute von Orleans ſind ſchlecht, Hugenotten und Bourbonen in ihrem Innern. Aber wir haben wenigſtens die Stände für uns.“
„Und l'Hopital gegen uns, bedenkt das wohl, mein
Bruder. Ah! die Stellung iſt ſehr ſchwierig! Wie geht es dem König?“ ſagte er endlich, als ihn die Gefahr an ſein letztes Mittel erinnerte.
„Dem König geht es ſehr ſchlecht,“ antwortete Karl von Lothringen;„doch Ambroiſe Paré, der auf die Ein⸗ ladung der Königin(ich werde Euch das erklären) nach Orleans gekommen iſt, hofft ihn noch morgen früh durch eine gewagte, aber nothwendige Operation, welche glück⸗ liche Reſultate haben kann, zu retten. Seid alſo um neun Uhr hier, mein Bruder, um Ambroiſe im Nothfall zu unterſtützen.“
„Gewiß!“ erwiederte der Balafré,„denn hierauf
beruht unſere einzige Hoffnung. Unſer Anſehen würde auf der Stelle mit Franz 1I. erlöſchen, und es wäre doch gut, den Connetable dadurch zu erſchrecken und viel⸗ leicht zum Zurückkehren zu bringen, daß man ihm den Kopf ſeines Neffen überſchicken würde!“
Ja, das wäre beredt, und es iſt auch meine An⸗ ſicht,“ ſprach der Cardinal nachdenkend.
X5


