Teil eines Werkes 
12.-16 Bdchn (1847)
Entstehung
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erwarteten und belauerten, war nicht ſowohl das Leben oder der Tod ihres königlichen Sohnes und Neffen, als der Sieg oder die Niederlage ihrer Sache.

Maria allein wachte bei ihrem jugendlichen Ge⸗ mahl, ohne zu bedenken, welchen Verluſt für ſie ſein Tod herbeiführen konnte.

Man darf übrigens nicht glauben, die dumpfe Feindſchaft der Königin Mutter und des Cardinals habe ſich nach Außen durch ihre Manieren oder durch ihre Reden verrathen. Im Gegentheil, ſie hatten ſich nie vertrauensvoller gegen einander gezeigt.

Noch in dieſem Augenblick unterhielten ſie ſich, den Schlummer von Franz benützend, in der allerbeſten Freundſchaft über ihre geheimſten Intereſſen und ihre innerſten Gedanken.

Um ſich Beide mit der italieniſchen Politik in Ein⸗ klang zu ſetzen, von der wir ſchon Muſter geſehen ha⸗ ben, hatte Catharina von Mediecis ſtets ihre geheimen Wege verkleidet und Karl von Lothringen hatte ſich ſtets den Anſchein gegeben, als bemerkte er nichts da⸗ von. So ſprachen ſie unabläßig als Freunde und Ver⸗ bündete mit einander. Sie waren wie zwei Spieler, die jeder ſeinerſeits gehörig betrügen und ſich offen einander mit falſchen Würfeln bedienen würden.

„Ja, Madame,“ ſagte der Cardinal,„ja, dieſer hartnäckige Kanzler Hopital weigert ſich fortwährend, das Todesurtheil des Prinzen zu unterzeichnen. Ah. wie hattet Ihr Recht, Madame, vor ſechs Monaten, Euch offen zu widerſetzen, daß er der Nachfolger von Olivier wurde! Warum habe ich Euch nicht begriffen?“

„Wie! kann man denn ſeinen Widerſtand durchaus nicht beſiegen?“ ſagte Catharina, welche dieſen Wider⸗ ſtand dictirt hatte.

„Ich habe Schmeicheleien und Drohungen ange⸗ wendet, und ihn unbeugſam gefunden,“ erwiederte Karl von Lothringen.

„Aber wenn es der Herzog ebenfalls verſuchte?“

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