58 Diana beſchäftigte ſich in dieſem Augenblick, allein
mit einer ihrer Frauen, mit einer Stickerei. Oft ließ
ſie ihre Hand finken und dachte träumeriſch an ihre Unterredung am Morgen mit Aloyſe. Plötzlich trat André ganz beſtürzt ein und mel⸗ dete: „Gnädige Frau, der Herr Vicomte d'Exmoés.“ Der Knabe hatte ſich noch nicht abgewöhnt, ſeinem alten Herrn dieſen Namen zu geben.
„Wer? Herr d'ermes hier?“ wiederholte Diana
erſtaunt.
„Madame, er folgt mir auf dem Fuß,“ antwortete der Page.„Hier iſt er.“
Gabriel erſchien an der Thüre, ſo gut als möglich ſeine Erſchütterung bewältigend. Er verbeugte ſich tief vor Frau von Caſtro, welche Anfangs in ihrer Beſtür⸗ zung ſeinen Gruß nicht erwiederte.
Doch ſie entließ mit einer Geberde den Pagen und die Kammerfrau.
Als Diana und Gabriel allein waren, gingen ſie auf einander zu, reichten und drückten ſie ſich die Hände.
So blieben ſie mit verſchlungenen Händen eine Minute lang und ſchauten ſich ſtillſchweigend an.
„Ihr hattet die Güte, zu mir zu kommen, Diana,“ ſprach Gabriel endlich mit tiefer Stimme.„Ihr woll⸗ tet mich ſehen, Ihr hattet mit mir zu ſprechen, und ich bin herbeigelaufen.“
„Hat Euch mein Schritt erſt belehrt, daß es für mich ein Bedürfniß iſt, Euch zu ſehen, Gabriel, wußtet Ihr das nicht ohnedies?“
„Diana,“ erwiederte Gabriel mit einem traurigen Lächeln,„ich habe anderswo Proben von meinem Muth abgelegt, und kann wohl ſagen, daß ich hierher in den Louvre gehend bange gehabt hätte.“
„Bange, wovor?“ fragte Diana, welche ſelbſt vor
ihrer Frage Furcht hatte.
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