Am andern Morgen um zehn Uhr war er auch pünktlich bei dem Rendezvous, das ihm der Brief von Franz von Lothringen im Palaſte der Tournelles be⸗ zeichnet hatte.
Der junge Graf von Montgommery wurde erwar⸗ tet. Bei ſeiner Erſcheinung führte man ihn auf der Stelle bei demjenigen ein, welchen man nun ſeiner Kühnheit wegen den Eroberer von Calais nannte.
Der Balafré kam voll Eifer Gabriel entgegen und drückte ihm liebevoll die Hände.
„Endlich ſeid Ihr da, vergeßlicher Freund?“ ſagte er;„ich war genöthigt, Euch zu ſuchen, Euch bis in Euren Schlupfwinkel zu verfolgen, und wenn ich es nicht gethan hätte, Gott weiß, wann ich Euch geſehen haben würde! Warum dies? warum habt Ihr mich ſeit meiner Rückkehr nicht beſucht?“
„Gnädigſter Herr,“ erwiederte Gabriel mit leiſer Stimme,„ſchmerzliche Empfindungen..
„Ah! ich wußte es wohl!“ unterbrach ihn der Herzog von Guiſe.„Nicht wahr, ſie ſind auch zu Lüg⸗ nern an den Verſprechungen geworden, die ſie Euch ge⸗ leiſtet hatten? Sie haben Euch getäuſcht, Euren Un⸗ willen hervorgerufen, Euch blutig verletzt? Euch, den Retter Frankreichs! Oh! ich habe es wohl vermuthet, es ſei eine Schändlichkeit vorgefallen! Mein Bruder, der Cardinal von Lothringen, der Euerer Rückkehr in den Louvre beiwohnte, der Euren Namen Graf von Montgommery hörte, errieth mit der Feinheit des Prie⸗ ſters, Ihr würdet der Bethörte oder das Opfer dieſer Leute ſein. Warum habt Ihr Euch nicht an ihn ge⸗ wendet? Er hätte Euch in meiner Abweſenheit unter⸗ ſtützen können.“
„Ich danke Euch, gnädigſter Herr,“ erwiederte Ga⸗ briel mit ernſtem Tone,„doch ich gebe Euch die Ver⸗ ſicherung, daß Ihr Euch täuſcht. Man hat auf das Allerſtrengſte die Verbindlichkeiten gehalten, die man gegen mich eingegangen.“


