Teil eines Werkes 
12.-16 Bdchn (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

furchtbaren Dilemma Zeit zu laſſen, klar in alle Geiſter einzudringen.

Dann fuhr er in der Abſicht, den Schluß zugleich zu erleuchten und zu beſchleunigen, fort:

„Zwei Parteien, wir wiſſen es leider Alle, trennen diejenigen, welche die Sache der Reform und der Wahr⸗ heit vereinigen müßte; doch vor der Gefahr und vor

dem gemeinſchaftlichen Feinde gebührt es ſich, wie mir

ſcheint, daß wir ein Herz und einen Willen haben. Die Mitglieder der einen und der andern Fraction ſind gleich⸗ mäßig eingeladen, ihre Anſicht auszuſprechen und ihre Mittel zu nennen. Derjenige Rath, welcher beſſere Chancen des Gelingens bieten wird, von welcher Seite er auch kommen mag, muß allgemein angenommen wer⸗ den. Und nun ſprecht, meine Freunde und Brüder, in voller Freiheit und in vollem Vertrauen.“

Auf die Rede von la Renaudie folgte ein ziemlich

langes Zaudern. Was gerade denjenigen fehlte, welche

ihn hörten, war die Freiheit, war das Vertrauen.

Und dann bewahrte, trotz der Entrüſtung, von der wirklich alle Herzen erfüllt waren, das Königthum in jener Zeit ein zu großes Blendwerk, als daß die Refor⸗ mirten, Novizen in der Verſchwörung, es gewagt hätten, ſogleich offenherzig ihre Ideen einer bewaffneten Rebel⸗ lion auszudrücken. Sie waren entſchloſſen und in Maſſe ihrer Sache ergeben: doch Jeder wich im Einzelnen vor der Verantwortlichkeit einer erſten Motion zurück. Alle wollten der Bewegung folgen, keiner wagte es, ſie hervorzurufen.

Dann, wie es la Renaudie zu verſtehen gegeben hatte, mißtrauten ſie einander; jede von den beiden Parteien wußte nicht, wohin die andere ſie führen würde, und ihre Zwecke waren doch in der That zu unähnlich, als daß die Wahl der Mittel, des Weges und der Füh⸗ rer ihnen hätte gleichgültig ſein können.

Die Partei von Genf ſtrebte insgeheim nach der

—

—