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ben von Calais, worin ihn ſeine Vielgeliebte anflehte, nicht mit eigener Hand zu ſtrafen und, wenn er nicht ein unwillkührliches Werkzeug würde, nicht zu ſchlagen, und wären es auch Schuldige.
Gabriel las dieſen rührenden Brief abermals und ließ ſein Schwert wieder in die Scheide fallen.
Entrüſtet über ſeine Gewiſſensbiſſe, entſchloß er ſich doch, zu warten.
Gabriel gehörte in der That zu denjenigen, welche handeln, und nicht zu denjenigen, welche anführen. Seine Thatkraft war bewunderungswürdig, wenn er ein Heer, eine Partei, oder nur einen großen Mann bei ſich hatte. Doch weder ſeinem Rang, noch ſeiner Natur nach war er im Stande, allein außerordentliche Dinge auszuführen, nicht einmal im Guten, und noch viel weniger im Verhrechen. Er war weder als ein mächtiger Fürſt, noch als ein mächtiges Genie gebo⸗ ren. Das Vermögen und der Wille der Initiative fehl⸗ ten ihm gänzlich.
An der Seite von Coligny und vom Herzog von Guiſe hatte er Staunen erregende Thaten vollbracht. Doch nun, wie er Martin⸗Guerre zu verſtehen gege⸗ ben, war ſeine Aufgabe eine ganz andere geworden: ſtatt den Feind zu bekämpfen, hatte er ſeinen König zu beſtrafen. Und diesmal ſtand Niemand an ſeiner Seite, um ihn bei dem furchtbaren Werk zu unter⸗ ſtützen.
Er züählte nichtsdeſtoweniger immer noch auf dieſelben Menſchen, die ihm ſchon ihre Macht geliehen hatten, auf Coligny, den Proteſtanten, auf den Her⸗ zog von Guiſe, den Ehrgeizigen.
Ein Bürgerkrieg für die Vertheidigung der reli⸗ giöſen Wahrheit, eine Empörung für den Triumph der Uſurpation eines großen Genies, dies waren die ge⸗ heimen Hoffnungen von Gabriel. Der Tod oder die Thronentſetzung von Heinrich IMI., ſeine Beſtrafung in allen Fällen, ging aus der einen oder der andern dieſer


