„Wie! plagt Dich Bertrande immer noch wie früher? Hat ſich ihre Laune nicht gebeſſert? Iſt ſie immer noch undankbar gegen Deine Güte und gegen das Schickſal, das ihr einen ſo zärtlichen und ſo rechtſchaffenen Mann gegeben hat? Wie! wird ſie Dich abermals durch ihr zänkiſches, ſtreitſüchtiges Weſen zwingen, Deine Heimath und Deine theuren Gewohnheiten zu verlaſſen?“
„Ei! ganz im Gegentheil, gnädigſter Herr,“ ſprach Martin⸗Guerre, ſie feſſelt mich nur zu ſehr an dieſe Gewohnheiten und an dieſe Gegend! Sie pflegt mich, ſis ſchmeichelt mir, ſie küßt mich. Keine Launen, keine Widerſpänſtigkeit mehr! Nun wohl, ja! ſie iſt von einer Sanftheit und von einem Gleichmuth, welche kein Ziel finden. Ich habe nicht ſobald den Mund geöffnet, als ſie forteilt. Sie erwartet meine Wünſche nicht, ſie kommt ihnen zuvor. Das iſt bewunderungswürdig! und da ich von Natur auch nicht herrſchſüchtig und tyranniſch, ſondern vielmehr leicht umgänglich und ſanft⸗ müthig bin, ſo führen wir ein wahres Honigleben und bilden die einträchtigſte Ehe, die ſich finden käßt.“
„Das gefällt mir!“ ſagte Gabriel;„Du haſt mich Anfangs beinahe erſchreckt.“
„Gnädiger Herr,“ verſetzte Martin,„es macht mich ein wenig verlegen, verwirrt, ich⸗ muß es ſagen, wenn man dieſen Gegenſtand zur Sprache bringt. Das Ge⸗ fühl, das ich in meinem Herzen finde, wenn ich mich darüber befrage, iſt ziemlich ſeltſam und beſchämt mich ein wenig. Doch nicht wahr, gegen Euch, gnädiger Herr, kann ich mich ganz aufrichtig und unumwunden ausdrücken?“
„Sicherlich,“ antwortete Gabriel.
Martin⸗Guerre ſchaute furchtſam umher, um zu ſehen, ob Niemand horchte, und beſonders ob ihn ſeine Frau nicht hören könnte. Dann dämpfte er die Stimme und ſprach:
„Nun wohl, gnädiger Herr, ich verzeihe nicht nur
dem armen Arnauld du Thill, ſondern ich ſegne ihn ſo⸗
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