244
will ſie im Gegentheil ſehen, ich will.. Kurz, da ſie von den Richtern die Erlaubniß erhalten hat, führt Ber⸗ trande de Rolls ein, mein lieber Freund.“
„Hm! immer derſelbe!“ ſagte der Gefangenwärter, „immer mildherzig und ſanftmüthig! Wagt Ihr nichts, wenn Ihr ſo ſchnell Eure Frau ihr früheres Uebergewicht wieder gewinnen laßt? Nun, das geht Euch an.“
Der Gefangenwärter entfernte ſich, mitleidig die Achſeln zuckend.
Zwei Minuten nachher kam er mit Bertrande de Rolls zurück. Es war indeſſen immer finſterer geworden.
„Ich laſſe Euch allein,“ ſagte der Gefangenwärter, „doch ich werde Bertrande, ehe es voͤllig Nacht geworden, wieder abholen: ſo lautet der Befehl. Ihr habt alſo kaum eine Viertelſtunde für Euch, benützt ſie, um Euch zu balgen, oder um Euch auszuſöhnen, nach Eurem Be⸗ lieben.“
Und er entfernte ſich abermals.
Bertrande trat nun ganz verſchämt und den Kopf ge⸗
ſenkt auf den angeblichen Martin⸗Guerre zu, der ſtill⸗
ſchweigend ſitzen blieb und ſie kommen und ſprechen ließ.
„Oh! Martin,“ ſagte ſie endlich, als ſie nahe bei ihm war, mit ſchwacher, ſchüchterner Stimme,„werdet Ihr mir je verzeihen wollen 2“
Ihre Augen füllten ſich mit Thränen und ſie zitterte an allen Gliedern.
„Euch verzeihen, was?“ verſetzte Arnauld du Thill, der ſich nicht gefährden wollte.
„Meinen plumpen Mißgriff,“ antwortete Bertrande. „Ich habe ſicherlich ſehr Unrecht gehabt, daß ich Euch nicht erkannte. Doch war nicht Grund vorhanden, daß ich mich täuſchte, da Ihr Euch, wie es ſcheint, zur Zeit ſelbſt getäuſcht habt? Ich bekenne auch, damit ich an meinen Irrthum glaube, muß mir von der ganzen Gegend, vom Herrn Grafen von Montgommery und von dem Ge⸗ richt, das ſich darauf verſteht, bezeugt werden, Ihr ſeid


