Teil eines Werkes 
4.-7. Bdchn (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

* 269

von Guiſe,„es findet ſogleich eine Berathung ſtatt, und zwar eine wichtige Berathung. Ich muß derſelben nothwendig beiwohnen. Gut, Thibault, laßt uns allein. Führet die Herren ein, wenn ſie kommen. Ihr ſeht, Gabriel, daß mich meine Pflicht zum König ruft. Doch mittlerweile, bis Ihr mir heute Abend mit Muße Euren Plan entwickeln könnt, der groß ſein muß, da er von Euch kommt, bitte ich Euch, meine Neugierde und Un⸗ geduld zu befriedigen. Mit zwei Worten, Gabriel, was beabſichtigt Ihr, zu thun?“

„Mit zwei Worten, gnädigſter Herr: Calais nehmen,“ ſprach Gabriel ruhig.

„Calais nehmen!“ rief der Herzog von Guiſe, vor Erſtaunen zurückweichend.

„Ihr vergeßt, gnädigſter Herr, Ihr habt verſpro⸗ chen, über den erſten Eindruck nicht zu erſchrecken,“ ſagte Gabriel mit derſelben Kaltblütigkeit.

„Ja, habt Ihr es aber auch wohl bedacht, Calais nehmen, das durch eine furchtbare Garniſon, durch unüberwindliche Wälle, durch das Meer beſchützt wird! Calais, ſeit zweihundert Jahren in der Gewalt der Eng⸗ länderi Calais bewacht, wie man den Schlüſſel von Frankreich bewacht, wenn man ihn in den Händen hat. Ich liebe, was kühn iſt, aber wäre dies nicht ver⸗ wegen?“

„Ja, gnädigſter Herr,“ antwortete Gabriel.„Doch gerade weil das Unternehmen verwegen iſt, weil man nicht einmal einen Gedanken oder einen Verdacht hier⸗ über faſſen kann, hat es beſſere Chancen des Ge⸗ lingens.“

„Das iſt in der That möglich,“ ſprach der Herzog träumeriſch.

„Wenn Ihr mich gehört habt, werdet Ihr ſagen: „„Es iſt gewiß!““ Das hiebei einzuſchlagende Beneh⸗ men iſt zum Voraus bezeichnet: die vollkommenſte Ge⸗ heimhaltung beobachten, den Feind durch ein falſches