256
Quentin verlängert habe, ſo iſt von mir mein Verſpre⸗ chen überſchritten worden, haltet das Eurige; Sire, gebt mir meinen Vater zurück!“
„Mein Herr!“ ſprach Heinrich II. zögernd.
Er ſchaute Diana von Poitiers an, welche in ih⸗ rer Ruhe und Sicherheit nicht geſtort zu werden ſchien.
Der Stand der Dinge war indeſſen ſchwierig. Heinrich hatte ſich daran gewöhnt, Gabriel als todt oder als gefangen zu betrachten, und er hatte für die auf ſeine furchtbare Frage nicht vorherge⸗ ehen.
Gabriel fühlte, wie ihm vor dieſem Zögern die Angſt das Herz zuſammenſchnürte.
„Sire,“ ſprach er in einer Art von Verzweiflung, „Eure Majeſtät kann unmöglich vergeſſen haben! Eure Majeſtät erinnert ſich ſicherlich jener feierlichen Unter⸗ redung, ſie erinnert ſich, welche Verbindlichkeit ich im Namen des Gefangenen, aber auch welche Verbindlich⸗ keit ſie gegen mich übernommen hat.“
Der König wurde unwillkührlich von dem Schmerz
und der Angſt des edlen jungen Mannes ergriffen; ſeine großmüthigen Inſtinkte erwachten in ihm.
„Ich erinnere mich an Alles,“ ſagte er zu Ga⸗
„Ah! Sire, ich danke!“ rief Gabriel, deſſen Blick vor Freude glänzte.
Ruhe:
„Ohne Zweifel erinnert ſich Seine Majeſtät an Alles, Herrr d'Ermées, aber Ihr ſcheint mir vergeſſen zu haben.“
Hätte der Blitz mitten an einem ſchönen Junitag zu ſeinen Füſſen eingeſchlagen, Gabriel könnte nicht mehr erſchrocken ſein:
„Wie!“ ſtammelte er,„was habe ich denn ver⸗ geſſen, Madame?“
Aber Frau von Poitiers ſprach mit vollkommener
„Die Hälfte Eurer Aufgabe,“ erwiederte Diana.
.


